/Plan.Quadrat. Ein hypothetischer Roman

Bildschirmfoto 2016-01-14 um 17.22.13Im Institut für Quantenmechanik geschieht Seltsames. Newton widmet sich einem Hummer. Eine Laborassistentin macht Quantensprünge. Und Ahorner versteht die Welt nicht mehr.

Plan.Quadrat. Ein hypothetischer Roman von Michael Kanofsky. Jetzt gedruckt und als E-Book. Im Buchhandel zu bestellen und auf Amazon.

/summa summarum – eine bilanz

6000 aegyptische pfund verlor ich in einer gefuerchteten spielhoelle in kairo (aegypten) an zwei ausgebuffte halunken mit stechenden augen

5 euro blechte ich an einer zirrothischen pommesbude in berlin prenzlauerberg (deutschland) fuer eine portion schwerverdauliche currywurst mit fettfritten

400 afghani zahlte ich in einer rigoros gottesfuerchtigen kaschemme in kabul (afghanistan) fuer einen klebrigen maisfladen mit hammelragout

250 dalasi kassierte der unhoefliche kellner in einer abgefuckten hotelbar in banjul (gambia) fuer ein glas lauwarme coke

150 rupiah gingen in einem sinistren restaurant in jakarta (indonesien) fuer eine flasche ungenießbaren reisschnaps drauf

700 kronen kostete mich ein teller gebeizter lachs mit minzsauce in einem beliebten touristenlokal an der hogangattan in oslo (norwegen)

180 balba wurde ich in panama city (panama) fuer einen mehr als daemlichen weißen schlapphut mit weißer krempe los

4 britische pfund loehnte ich in einem obskuren pub in leeds (england) fuer zwei pints schales ale der marke haniston

50 gulden musste ich an einer ausgesprochen oeden tankstelle in leyden (holland) fuer eine fuellung diesel hinblaettern

6000 sloty waren in einem heruntergekommenen lebensmittelgeschaeft in krakow (polen) fuer eine flasche fusel zu entrichten

32 francs musste ich in einer halbseidenen promibar in bordeaux
(frankreich) fuer ein glaeschen korkelnden vin rouge lockermachen

10000 rubel kosteten mich in moskau (russland) ein belugadinner und fuenf runden vodka mit zwei abgehalfterten belorussischen mafiosi

5000 drachmen musste ich auf einem markt in thessaloniki (griechenland) fuer ein paar miserabel verarbeitete filzlatschen springen lassen

30000 lek waren in einem kuriosen restaurant am skanderbegplatz in tirana (albanien) fuer eine portion reis mit gruenen bohnen faellig

300 dirham bezahlte ich in einem saubloeden andenkenladen in rabat (marokko) fuer eine sagenhaft geschmacklos gemusterte schafwolldecke

5000 dinar loehnte ich in einer drittklassigen absteige in tripolis (lybien) fuer ein alles andere als gesundheitlich ausgewogenes fruehstueck

2500 birr wanderten in einer garkueche in addis abeba (aethopien) fuer einen halbvollen napf hafergruetze ueber den tisch

900 leu kostete mich eine stunde mit einer ehemaligen schoenheitskoenigin namens natascha in einem verlausten puff in konstanza (rumaenien)

60000 ouguiya entrichtete ich fuer einen aeußerst anstrengenden zweistuendigen kamelritt in nouakchott (mauretanien)

4000 kap verde escudos waren in einem ueberfuellten strandcafe in praia (kap verde) fuer einen teller saure gurkensuppe faellig

732 leone beglich ich nach einem verloren gegangenen huetchenspiel mit fanatisierten freischaerlern in freetown (sierra leone)

630 cedi kostete mich ein verdammt mies bewachter parkplatz in der ausgesprochen dubiosen altstadt von accra (ghana)

13 usdollar musste ich in einem schaebigen vorortdiner in seattle (usa) fuer einen doppelten dafuer pappigen cheeseburger und zwei dosen michelob cashen

60 dong bezahlte ich in einem grottenschlechten speiselokal in hanoi (vietnam) fuer eine halbe portion gedaempften rehpinscher mit glasnudeln

300 austral wollte man in einem dreisterneschuppen in buenos aires (argentinien) fuer die sichere verwahrung meines ebenso alten wie flaschengruenen reisekoffers

110 tansania schillling durfte ich in daressalem (tansania) fuer die ausnehmend sinnlose besichtigung eines zweifelhaften heldendenkmals anlegen

120 riyal kostete mich ein laengst faelliges telefonat in die heimat in einer leider stark frequentierten telefonzelle in doha (katar)

51000 lilangeni waren in mbabane (swasiland) fuer die obligatorische teilnahme an einer langweiligen vorfuehrung landestypischer folklore hinzublaettern

40 zypernpfund musste ich in einer sattsam bekannten unterweltbar in nikosia (zypern) fuer eine halbe pulle zypriotischen schampus auf den tisch knallen

1400 schekel bezahlte ich in einem koshershop in der dizengoffstrasse in tel aviv (irsrael) fuer sechs makabeebier und einmal falafel

110 rupien durfte ich in colombo (sri lanka) fuer einen halbstuendigen ausritt auf einem heiligen aber mueden elefanten verbraten

1000 baht musste ich in einem importexportbazar in bangkok (thailand) fuer ein schlecht gemachtes roleximitat hinlegen

7000 pesos investierte ich in einem schnellimbiss in einem touristenviertel von mexiko city (mexiko) fuer eine portion absolut ungenießbares burito nach gauchoart

7300 quetzal waren in guatemala city (guatemala) fuer zwei naechte in einem stinkenden und klapperschlangenverseuchten fernfahrermotel aufzubringen

4000 cruzado kostete mich der eintritt in eine schraege salsabar in einem lebensgefaehrlichen stadtteil von sao paulo (brasilien)

380 yen verlangte eine schon etwas betagte geisha in tokio (japan) fuer eine ordentliche abreibung mit einer anschließenden kalten dusche von mir

8000 yuan musste ich fuer den dreistuendigen ausflug zu einer sensationell makaberen tempelanlage in tientsin (china) aufwenden

2700 lempira nahm man mir in tegucigalpa (honduras) fuer einen miserablen eintopf aus hirse kalmuecken huehnerkacke und anderen regionalen spezialitaeten

390 schweizer franken musste ich in zuerich (schweiz) fuer ein mittelpraechtiges hinterhofhotelzimmer ohne service und fruehstueck berappen

(konjunkturbedingte schwankungen, inflationsbereinigter text)

/die ideen des märz (für lisa)

werter freund ich darf sie doch gewiss so nennen wie sie vielleicht wissen werde ich im märz für einige wochen in die usa reisen wo ich a) in boston philadelphia washington new york und albuquerque konzerte geben (auf freundliche einladung der samual s murray foundation die ihnen möglicherweise etwas sagt möglicherweise aber auch nichts hauptsächlich grieg debussy bach ein wenig ravel) und mich b) von den mit einem solchen konzert natur und erfahrungsgemäß verbundenen strapazen erholen werden indem ich die wichtigsten und interessantesten aber auch obskursten und seltsamsten staaten und städte orte und landschaften denk und sehenswürdigkeiten besuchen besichtigen bestaunen will mount rushmore zum beispiel wollte ich immer einmal aus der nähe sehen und ebenso die niagarafälle und ebenso forellenfischen in amerika oder lachse

werter freund mir ist bekannt dass sie derzeit schon wieder oder immer noch (das können sie gewiss besser beurteilen als ich) an einem umfangreichen romanwerk arbeiten einem gewiss hochinteresssanten möglicherweise sogar wichtigen beitrag für die literaturgeschichte ich sehe sie direkt vor mir in ihrer behaglichen bibliothek sitzend in ihr manuskript vertieft den blick gesenkt immer wieder mut fassend in der hoffnung auf die baldige fertigstellung des werkes welches sich aber wieder und wieder verzögert wie sie mir neulich schrieben verzögert aus gründen die einzig und allen sie verstehen die einzig und allein sie etwas angehen dennoch

werter freund ein vorschlag zur güte ein wohlmeinender rat eine interessante möglichkeit ein neuer aspekt gehen sie fort von wien für einige zeit gerne überlasse ich ihnen meine wohnung mein arbeitszimmer meine bücher meine nähere und fernere umgebung

werter freund münchen scheint mir ideal um diese jahreszeit der himmel bayerischblau die menschen freundlich die maßkrüge gefüllt die frauen zeitloselegant das wetter vorösterlichföhnig nur hin und wieder fröstelt einen ein wenig der märz ist ja unberechenbar wie sie wissen ich empfehle ihnen daher

werter freund nicht nur leichte frühlings und sommerbekleidung sondern auch wärmeres für kältere tage und nächte einen pullover vielleicht eine schützende windjacke eine kopfbedeckung möglicherweise ich weiß ja nicht ob sie gelegentlich eine mütze tragen oder einen hut oder eine kappe dazu sollten sie einen wollenen schal in ihren koffer packen denn der wind bläst oft rau unterm monopteros

so zu lesen an dem an mich gerichteten brief des musikers k dessen wohnung ich vor zwei tagen mit leichtem gepäck leichten herzens sowie einem leichten ziehen in der rechten kniekehle bezogen hatte und an dessen schreibtisch ich nun saß

an diesem opulenten man möchte fast sagen ein wenig überladen wirkenden schreibtisch auf dem in der linken oberen ecke ja genau dort die trugschlußkadenz liegt besser gesagt dort hat der musiker ein offenes buch zurückgelassen für das er auf seiner ausgedehnten usatournee offenbar keine verwendung hat (wenn er es nicht vergessen hat und es nun vielleicht vermisst) ein buch mit dem titel harmonielehre des in musikerkreisen hochgeschätzten professors armin keil

nimmt man dieses buch zur hand und blättert darin entdeckt man außer der bereits erwähnten trugschlußkadenz eine modulation in die parallele durtonart gebräuchliche kadenzformen in moll

dominante akkorde und allerlei notenschlüssel sowie mancherlei chromatische und erweiterte pattern dazu komplementärintervalle und natürlich auch kirchentonarten sowie dreiklänge vierklänge und einige mißklänge die aber eher von den stürmischen winden herrühren die an den schwachen holzrahmen der fenster rütteln und die entgegen der meldung des wetterberichtes ehe noch heftiger werden

überhaupt der schreibtisch des musikers dort gibt es so manches zu entdecken seltsames verwunderliches einen locher zum beispiel ein wie sagt man so schön vorkriegsmodell in schwarz und chrom wie man es früher in den kontoren und bureaus verwendet hat zur lochung und abheftung verstaubter akten und amtlicher vermerke

dann das bild einer jungen frau vermutlich ist es die frau freundin geliebte des musikers vielleicht auch dessen schwester vielleicht auch dessen tochter wer will das wissen ich kenne k ja kaum geschweige denn seine familiären verhältnisse seine verwandschaftlichen beziehungen

diesen musiker der sich derzeit einerseits berufsbedingt andererseits zum zwecke der erholung und entspannung in new york seattle washington boston philadelphia san francisco oder weiß der teufel wo sonst noch aufhält in den usa vielleicht gemeinsam mit der frau auf dem foto in diesem fall ist sie gewiss seine frau oder freundin oder geliebte keinesfalls seine schwester und schon gar nicht seine mutter denn dazu ist sie auf dem foto zu jung

sie trägt das haar kurz und blond und wirr hängt es ihr in die stirn sie trägt eine grünweiß karierte bluse sie trägt ein lustiges hütchen sie trägt eine elegante italienische handtasche und den kopf ein wenig zu hoch vielleicht

aber das foto der frau ist nicht der einzige gegenstand von interesse auf diesem opulenten schreibtisch an dem gewöhnlich der musiker sitzt um partituren zu studieren oder libretti schubert oder bach debussy oder ravel orff oder die brandenburgischen konzerte

weitere dinge fallen dem aufmerksamen betrachter auf von denen das interessanteste gewiss nicht der in schwarzes kunstleder gebundene kalender für das jahr vierundneunzig ist und auch nicht das brillenetui und auch nicht das halb mit wasser gefüllte weinglas und auch nicht die grüne schreibunterlage

sondern dieses in einer durchsichtigen kunststoffhülle steckende und allem anschein nach noch sehr rohe und unfertige romanmanuskript (man beachte die vielen handschriftlichen vermerke und die für ein umfassendes epochales werk viel zu geringe anzahl der seiten) zu dessen fertigstellung ich auf einladung des musikers k nach münchen gekommen war

das sich aber seit meiner abreise aus wien um kein einziges wort weiterbewegt hat weil die ideen fehlen die worte sätze offenbar eine lähmung im kopf für die es mehrere ursachen geben könnte zum beispiel

das gespräch mit einem münchner bekannten aus alten tagen gestern nachmittag oder die vielen bücher im arbeitszimmer des musikers oder die gemischten fische vom grill gestern abend langusten brassen seegurken barben oder der föhn münchen an sich die inflation die rezession die translation wer weiß

das gespräch mit dem freund aus alten tagen nennen wir ihn b war zumindest ergiebiger als die gemischten fische vom grill wenn auch nicht in dem maße anregend wie die zu den gemischten fischen vom grill genossenen vier nein fünf nein sechs glas barolo

wir spazierten durch den nymphenburger schloßpark und redeten über das wetter und die statuen im park über die frauen das schreiben das arbeiten das kopfweh den alkohol die kunst die musik hitchcock truffaut und jacques tati

wir redeten über die zukunft die vergangenheit wohl auch über die gegenwart wenn auch nicht in gleichem maße erörterten ausführlich die folgen des nichtrauchens und diskutierten die qualitäten verschiedener cognacsorten

wir sprachen über graugetigerte katzen und ein haus im süden frankreichs über geld und verleger prominente autoren berühmte schriftsteller geniale köpfe kamen jedoch zu keinem abschließenden ergebnis wechselten das thema

schauten einem mann zu der rosenbeete umpflügte schauten einer frau nach die schon bessere tage gesehen hatte schauten in einen brunnen schauten dann dass wir weiterkamen denn der wind frischte auf und wolken brauten sich zusammen

sprachen über wien über münchen döblin und jahnn diverse alkoholiker und drogensüchtige über das fahrradfahren das autofahren das spazierengehen wandern reisen potsdam leipzig und prag das schloß kafka und felice im speziellen und die donaumonarchie im allgemeinen

diskutierten über verschiedene krankheitsbilder den fortgeschrittenen schwachsinn den totalen unsinn den blanken wahnsinn die paralyse die parallaxe herzrhythmusstörungen diverse traumata das alter wandernieren senkfüße wadenkrämpfe sehnenscheidentzündungen homöopathie arbeitslosigkeit kulturförderung die künstlersozialversicherung und gicht

erörterten den tod sowie seine folgen für das leben sprachen über das ableben das abtreten das aus dem leben gehen das dahinscheiden das vermodern verglichen die daten in todesanzeigen kamen dadurch unglücklicherweise wieder auf das alter und einige damit grundsätzlich zusammenhängende fragen

wechselten schnellstmöglich weil irritiert von der tatsächlichkeit des todes das thema und befaßten uns ausführlich mit der zubereitung von bratheringen mit zwiebeln und röstkartoffeln dem preis für roggensemmeln sowie einer aufkommenden genickstarre

sprachen über die vorzüge gewisser küstenlandschaften jever oldenburg harlingersiel jüst hörnum keitum ein haus am meer eine weiße holzbank im verwilderten garten ein licht im fenster ein schiff auf hoher see strandläufer muscheln seetang sprachen über immobilienpreise und putzten teils resignativ teils indigniert teils tief bewegt unsere brillen

wir verglichen äpfel mit birnen butter mit margarine dichter mit denkern unser bisheriges leben unsere statur unser aussehen unsere werke unsere träume

wir durchmaßen den nymphenburger schloßpark in seiner ganzen länge seiner ganzen breite überquerten flüsschen entdeckten chinesische goldfische und nagende eichhörnchen rotkehlchen und grünfinken buchen und birken lahme und blinde

wir rasteten auf einer bank dachten ans fickenbumsenvögeln gingen weiter trafen seltsame leute verwahrloste verkommene verlorene sprachen über die avantgarde und gute bekannte martin buber und heidegger und das kunstwerk im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit

betraten die wohnung des freundes tranken grünen tee mit braunem zucker teilten apfelmarillenpflaumenplunder mokierten uns über so manches und gaben uns schließlich die hand

b blieb wo er war kratzte sich am kopf winkte mir nach schaute tolldreist drein und schloss die tür hinter mir

der ich einen weißen (auf anraten ks wegen des möglicherweise unberechenbaren märzwetters gefütterten) trench tragend in die wohnung des musikers zurückkehrte mich dort allerdings verirrte woraufhin ich die wohnung schnellentschlossen wieder verließ und tief durchatmend sowie den mantelkragen enger schließend die schellingstraße hinunter ging

unterwegs traf ich einen antiquar einen antiautoritär erzogenen einen antihelden einen connaisseur einen ladenbesitzer einen eisverkäufer rainer langhans fünf bis sechs filmregisseure studenten der mathematik der paläontologie der kunst der geschichte der medizin

diverse nichtseßhafte eine schauspielerin einen amerikaner einen ghanaer einen mozambikaner einen senegalesen einen japaner einen bierbauchigen mehrere dichter einen installateur fragwürdige subjekte zweifelhafte individuen einen kinovorführer einen russen

einen einbeinigen einen kopflosen drei vier möglicherweise sogar mehrere hirnlose einen trittbrettfahrer einen kurierfahrer dozenten historiker hysteriker einen mann aus wildbad kreuth haufenweise akademiker vor imbißbuden

geschätzte acht turnschuhträger zwei bartträger einen kofferträger zwei hosenträger einen windhund einen boxer tauben ratten pygmäen künstler ein paar kopulierende rauhhaardackel einen zwergpinscher einen barhäuptigen einen barkeeper einen blatternarbigen

eine rothaarige in schwarzen pumps eine schwarzhaarige in roten pumps eine frau die zu allem bereit war eine unverbesserliche romantikerin eine minifahrerin eine renaultfahrerin eine aufgedonnerte  eine abgetakelte eine frau von format eine schwarzgelockte eine rotlackierte ein mädchen ohne namen eine infantin eine nymphomanin eine autorin eine blumenhändlerin ein nettes mädchen eine barmherzige samariterin vom dritten orden

einen ehemals prominenten einen ukrainischen diplomaten einen dominikaner einen titelhändler eine freudianerin eine hegelianerin einen flanierer unzählige flagellanten ignoranten und alte tanten sowie vier halbkalte pizzadreiecke in sich hineinstopfende balettelevinnen sowie soldaten mit schmutzigen fingernägeln sowie den ersten geiger der staatsoper

politessen knurrten mich an süchtige bettelten mich an dubiose starrten mich an händler sprachen mich an rüpel rempelten mich an frauen in eleganten roben lächelten mich an

in der nähe der theologischen fakultät betrat ich ein öffentliches sowie übelriechendes pissoir wo ich sogleich in das urinsteinverkalkte urinal urinierte was ich unmittelbar nachdem es zu spät war bereute denn ich geriet in zwielichtige gesellschaft wurde verhöhnt verlacht verspottet

verließ das pissoir in wolkiger stimmung und mit gesenktem blick schloss den mantel rieb die brille sauber schneuzte mich kratzte mich am linken ohr dachte an den zeitplan die niederlage von reichenfels letztes jahr in marienbad und michel butor und flauberts papagei und molloy und an dante und den hummer und texte um nichts an abgeschlossene beziehungsweise verbotene handlungen

sowie an ein achtlos in der wohnung des musikers zurückgelassenes manuskript das dort einsam seiner fertigstellung harrte zu dessen zweck ich ja eigens diese denkwürdige reise von wien nach münchen angetreten hatte

ja ich hatte den eleganten bartók béla bestiegen am westbahnhof gleis sieben den bartók béla aus budapest keleti pu richtung paris über heygyeshalom und bruck an der leitha und wien und salzburg und münchen

hatte meinen koffer sorgsam verstaut den mitreisenden zugenickt einem zyniker einem phantasten einer pepitatragenden niederösterreicherin einem verarmten verhärmten und aus diesen verständlichen gründen alles andere als freundlichen ungarischen adligen mit hakennase und krummen beinen

hatte platz und den brief des musikers wieder zur hand genommen so als müsste ich meine entscheidung diesen zug bestiegen zu haben noch einmal auf ihre richtigkeit hin überprüfen den brief in dem mir k den rat gab für einige wochen nach münchen zu kommen mich bat ja ausdrücklich bat während seiner abwesenheit seine wohnung zu nutzen zu schützen zu versorgen hauptsächlich aber zu nutzen und

dort das in wien begonnene werk zu finalisieren und mich nicht allzusehr von den verlockungen verführungen vergnügungen des föhnfrühlinghaften münchen gefangen nehmen zu lassen

für einige wochen in denen k die rocky mountains besteigen wollte den central park durchqueren wollte südstaatliche menschen treffen wollte von polnischen taxichauffeuren chauffiert werden wollte den sunset boulevard entlangspazieren wollte ein konzert in der met besuchen wollte nicht zu vergessen den mount rushmore die niagarafälle wie auch immer

im bahnhof von sankt pölten hatte die streng nach weihrauch und dior duftende pepitatragende niederösterreicherin das abteil verlassen auch der zyniker war offenbar am ziel seiner bedeutungslosen reise angekommen denn

er hatte seine vertreteraktenreisetasche gegriffen mir dem phantasten und dem ungarischen aber verarmten adligen zugenickt und sich dann auf und davon gemacht in die hauptstadt niederösterreichs in der ein beleibter bischof bestimmt wer mit wem und warum und weshalb und überhaupt wie auch immer hatten

als ersatz für die pepitatragende niederösterreicherin und den zyniker zwei hoffnungslose fälle das noch immer weihrauch und diorgeschwängerte abteil betreten gefolgt vom kondukteur der die fahrscheine verlangt hatte wobei er dem armen adligen auf die füße getreten war was dem kondukteur natürlich leid tat während die beiden hoffnungslosen fälle endlich ihr schweres gepäck waffen für turkmenistan drogen für dortmund schmuggelware für einen zukunftsmarkt verbotene pornografische literatur verstaut hatten

draußen war niederösterreich vorbeigezogen aufgelassene tankstellen aufgegebene hoffnungen einsame lkws rostige traktoren idyllische weiden scheckige kühe wollige schafe silberne cabriolets verfallende hütten tüchtige bauern bellende hunde trocknende wäsche ballspielende kinder gottesfürchtige frauen mädchen mit romantischen vorstellungen schnauzbartträger aller art ausflügler exhibitionisten radfahrer deutsche touristen die donauprinzessin rapswiesen roggenfelder reben

für den wein der wachau den mir der speisewagenkellner in form eines achterls freundlich ja geradezu geflissentlich und ehrerbietig und die hacken zusammenschlagend serviert hatte während ich in der menükarte blätterte und in einem wochenmagazin mit ebenso fragwürdigem wie langweiligem inhalt die hochzeiten des prinzen die krankheiten der königin die unverschämtheiten der jugend

immer noch besser hatte ich mir gesagt als weiterhin im abteil zu dösen in gegenwart der beiden hoffnungslosen fälle des phantasten des ungarischen adligen der seine bedauernswerten mitreisenden vermutlich bereits in ein ermüdendes und nichtendenwollendes gespräch über die glorreiche und ruhmreiche und gefahrenreiche vergangenheit der ungarischen monarchie verwickelt hatte in dem er von tapferen magyaren feurigen pferden und schwarzhaarigen glutäugigen mädchen in weißen röcken erzählte die groben zwirbelbärtchentragenden stattlichen stallknechten zu willen waren nachdem sie die rösser mit hafer versorgt und die feuchtwarmen pferdeleiber abgerieben hatten heißer wind fegt über die puszta wolkenfelder machen den himmel

bayerischblau das pissoir in der nähe der theologischen fakultät lag längst hinter mir und so manche hoffnung vor mir jetzt da ich das geviert aus türkenstraße schellingstraße amalienstraße barerstraße

schon etwas besser kannte als am tag meiner ankunft ein viertel in dem man sich durchaus zu hause fühlen kann besteht es doch im wesentlichen aus antiquitätengeschäften buchhandlungen straßencafés falsch geparkten autos instituten fakultäten seminaren akademien kirchen zweifelhaften lokalitäten alten häusern mit hohen fenstern brunnen gärten etwa

dem alten nordfriedhof wo längst niemand mehr unter die erde kam wo kinder spielten mütter auf bänken saßen großmütter auf krücken gestützt die verfallenden gräber zählten clemens von waldenstein privatier träger des bayerischen verdienstordens geboren in königswinter verstorben in der hauptstadt der bewegung anno 43 freifrau gräfin notburga soviel war zu lesen der gewiss hochwohl geboren klingende nachname war durch den lauf der jahrzente im marmor verblasst

daneben hatte ein gewisser august stemmer gott hab ihn selig seine letzte ruhe gefunden ein königlichbayerischer konsistorialbeamter geboren zwölfter januar achtzehnhundertundzwei in weiden oberpfalz dahingeschieden siebzig jahre später gefolgt von seiner werten gattin gernhilde nur ein jahr danach

ich ging auf gekiesten wegen stolperte über japsende hunde bestaunte uralte eichen knorrige koniferen buschige buchen blühende linden vogelnester in urnengräbern verloschene ewige lichter traf balzaclesende studentinnen und schluckspechte frauen in bester stimmung und männer die von alten zeiten schwärmten

und betrat endlich ein café voller bebrillter und zeitunglesender und schwabinös dreinblickender individuen ein café voller schweigender schönheiten und nasebohrender kunstkenner ein café voller vollbusiger vollweiber

und bestellte einen tee aus indien ein gebäck aus frankreich schlug ein buch eines dubliner dichters auf versuchte camier zu verstehen versuchte mercier zu verstehen versuchte überhaupt watt zu verstehen bestellte einen doppelten courvoisier vsop und stellte mir ein paar grundlegende fragen

wieso und warum wann und wie wer und wozu

ließ meinen blick im raum hin und her schweifen schaute in die graugrünen augen einer blondtoupierten schaute in die blaugrauen augen einer etwas blasierten schaute in die schwarzbraunen augen einer brünetten brechtverehrerin mit couragiertem berliner akzent schaute in die leeren augen einer weithin bekannten diseuse

gab dem kokainsüchtigen kellner kühn ein zeichen zahlte zog den mantel an verließ das café betrat eine buchhandlung blätterte in blatters bestem buch und machte mich schließlich und endlich auf und davon

indem ich den bartók béla bestiegen hatte neun uhr fünf ab wien west dessen einladenden speisewagen ich erst kurz vor salzburg wieder verlassen hatte notgedrungen hatte mich doch der kellner freundlich aber bestimmt hinausgedrängt der anderen gäste wegen wie er gesagt hatte ich müsste verstehen die gäste würden ihr geschnetzeltes wollen ihr geselchtes ihr gepökeltes ihre gänsekeule ihre germknödel ihr gulyas ihren gartensalat ihre gnocchi ihr gemüse ihre garnelen

war in das noch in niederösterreich verlassene abteil zurückgegangen wo der arme ungarische adlige und die beiden hoffnungslosen fälle um viele geld tarockierten und wo auf den beiden vor einiger zeit noch freien plätzen zwei pausbäckige pastoren platz genommen hatten die mir freundlich zunickten als ich die tür zum abteil aufstieß und den fensterplatz mit der nummer dreiundachtzig eingenommen hatte den ich durch einen absichtlich dort deponierten mantel deutlich als den meinigen gekennzeichnet hatte und der deshalb auch die ganze zeit über frei geblieben war

langsam hatte der bartók béla die traurigtrüb dahinfließende salzach überquert oben die burg unten die menschen im mozarteum übten die pianisten paukisten posaunisten und ich mußte an k denken

in dessen wohnung beziehungsweise in dessen arbeitszimmer beziehungsweise an dessen schreibtisch ich mich nun eigentlich bequemen sollte nach all dem herumlaufen dem herumschauen

das wird das beste sein sagte ich mir darüber nachdenkend was wohl anzufangen sei mit dem rest des tages dem abend der nacht

zum beispiel eine frau lieben eine frau mit geheimnissen eine frau ohne charakter eine frau mit steigenden ansprüchen

oder eine stöckelschuhstragende frau eine miniberockte frau eine webpelztragende frau eine armanitragende frau eine cabriofahrende frau

oder einen film sich anzusehen einen film mit helden mit irren mit polizisten mit raufbolden mit drogenhändlern mit ignoranten mit wahnsinnigen mit raumfahrern mit orson welles mit tapferen apachenhäuptlingen mit alten nazis mit geheimen geheimagenten

einen film mit kurzen schnitten langen einstellungen verwirrenden blenden verworrener handlung verwegenen figuren möglicherweise mit buckligen und pickligen bulgarischen regenschirmmördern und englischen schönheitsköniginnen hohen herrschaften und niedrigen beweggründen oder

weiterzuschreiben das begonnene manuskript zu vollenden ganz im sinne des musikers k dessen mir eigens zu diesem zwecke zur verfügung gestellter opulenter man möchte fast sagen ein wenig überladener schreibtisch auf mich wartete wie auch immer hatte

der deutsche zöllner den ungarischen adligen die pausbäckigen pastoren die beiden hoffnungslosen fälle und mich nach den papieren den ausweisdokumenten den legitimationen und so weiter gefragt die wir alle bereitwillig vorlegten denn wir hatten ja nichts zu melden nichts zu verzollen nichts anzugeben nichts zu verbergen

der zöllner hatte die beiden hoffnungslosen fälle streng gemustert hatte der diensteifrige beamte doch schon von fällen gehört in denen harmlos und gewöhnlich scheinendes reisegepäck waffen für turkmenistan drogen für dortmund schmuggelware für einen zukunftsmarkt verbotene pornografische literatur enthalten haben soll ja solche fälle hatte es wohl tatsächlich gegeben aber

der zöllner hatte die abgegriffenen flaschengrünen und sehr wohl ein wenig verdächtig wirkenden koffer der beiden hoffnungslosen fälle nicht näher untersucht er hatte sie weder öffnen lassen noch ihren inhalt unter den peinlichen blicken der mitreisenden durchwühlt noch einzelne teile herausgenommen etwa kleidungsstücke oder toilettenartikel oder dinge des täglichen bedarfs wie etwa goldfische sextanten oder stallaktiten sondern

hatte 1uns unsere papiere nach einem kurzen vergleichenden blick auf das jeweilige in keinem fall allerdings schmeichelhafte passbild wieder ausgehändigt hatte freundlich gegrüßt ausdrücklich vor den beiden pausbäckigen pastoren salutiert und das abteil verlassen und

wir waren in einem anderen land voralpenländische idylle war ins blickfeld der reisenden gerückt mit glühenden gipfeln grünen matten grasenden kühen und kopftuchtragenden sennerinnen

und der ältere der beiden pausbäckigen pastoren hatte ein schmales brevier aus seinem talar hervorgezogen sich über die tonsur gestrichen und inbrünstig aus dem dritten korintherbrief zitiert während die beiden hoffnungslosen fälle angesichts der angespannten lage auf den faroer inseln sowie der aussichtlosen situation am golf von tongking ins politisieren gekommen waren ins diskutieren ins debattieren

auch den ungarischen adligen hatten sie dabei nicht ausgenommen für den sie inzwischen nur noch gehässige ja bösartige blicke abfällige bemerkungen und unbotmäßige verleumdungen übrig hatten noch eine stunde bis münchen hatte ich mir gesagt

dass es nun wirklich zeit wäre an ks schreibtisch zurückzukehren was ich auch tat indem ich von der schelling in die türkenstraße hineinbog von der türken in die georgen von der georgen in die adalbert von der adalbert in die adelheid und dort bis zum haus nummero acht ging

wo außer k noch ein gewisser dr z ein wie k mir sagte stadtbekannter schwerenöter und trunkenbold lebte sowie eine frau b ein dr f eine familie von d ein ingenieur aus caracas sowie das finnougrische hausmeisterehepaar m tatsachen wie ich sie unschwer der kupferfarbenen klingeltafel entnehmen konnte vor der ich ein wenig hilflos nach dem passenden schlüssel für die eingangstür suchend stand als

im selben moment ein unbedarfter unrasierter und unhöflicher junger mann allem anschein nach ein student der jurisprudenz im siebzehnten semester die haustür von innen öffnete sodass ich

seiner mißtrauischen blicke und argwöhnischen gedanken gewiss ks haus betreten konnte ohne eigentlich den passenden türschlüssel gefunden zu haben jedenfalls

war der zug endlich an den ersten ausläufern und vororten münchens vorbeigefahren und hatte kurze zeit später mit einem sanften ruck an bahnsteig drei gestoppt hier münchen hauptbahnhof münchen hauptbahnhof sie haben anschluß an

den thessalonikiexpreß über belgrad und sofia nach athen in den ice fünfhundertsiebenundsechzig nach hamburg altona abfahrt sechzehn uhr neunzehn gleis sechsundzwanzig den ic rheinpfalz nach kaiserslautern den ec dreihundertfünf über paris und ostende nach london den orientexpreß nach moskau über berlin friedrichstraße potsdam und warschau und

ich hatte mich vom ungarischen adligen den pausbäckigen pastoren den beiden hoffnungsloses fällen verabschiedet mich in meinen mantel gezwängt meinen koffer genommen ein taxi bestiegen und

mich schließlich in der wohnung des musikers k wiedergefunden eines begnadeten pianisten der einst am wiener konservatorium studiert hatte und

der zufall wollte es dass wir uns eines tages in wien begegneten genauer gesagt in der pompösen villa des grafen bloom wo k einige seiner werke vor einem illustren um nicht zu sagen eigenwilligen publikum zum besten gab

geladen waren seinerzeit unter anderem ein wohlbeleibter mit buckel und krötenblick ein pyknischer geozentriker eine dompteuse mit philosophiekenntnissen eine zigarrenrauchende kurtisane ein nobler herr mit botanisiertrommel der bekannte gehirnchirurg haubenstein entdecker des nach ihm benannten haubensteinschen mysteriums eine contessa aus ligurien ein satyr eine gescheiterte existenz aus wuppertal-elberfeld eine diakonissin sowie

ein wagnerianer eine englische zofe ein altes mütterlein drei stellvertreter ein wackerer soldat ein gynäkologe ein fachmann für mesmerismus und hypnose ein unbekannter mann aus dem kongo ein pflichtbewußter leibgardist ein logiker ein kritiker ein asthmatiker ein belgischer lyriker sowie

eine serviererin aus frankfurt an der oder eine geschichtenerzählerin aus temesvar eine alte hexe aus samarkand eine notorische lügnerin eine waschechte prinzessin ein philatelist ein fürstbischöflicher abgesandter ein reizbares wesen sowie

ein deutscher dobermann eine gefleckte dogge ein windspiel ein rumäne ein afghane ein foxterrier ein pekinese ein reißwolf sowie

ein französischer widerstandskämpfer ein kubanischer revolutionär ein westberliner advokat ein assyrischer tierarzt ein schwitzender berber ein matrose aus gibraltar eine magersüchtige aus rothenburg ob der tauber alain resnais sowie

die crème de la crème die hautevolee die oberen zehntausend die spitzen der gesellschaft grafschaften herrschaften sirs contes diplomaten ordensträger würdenträger wohlfahrtsverbände wundverbände sowie zum ritter geschlagene sowie

diverse konkubinen statisten taschenspieler und tanzende und lachende akrobaten

parliert und konversation betrieben wurde in beziehungsweise auf babylonisch rätoromanisch kryptisch westfälisch bayrisch sächsisch wienerisch rachitisch dialektisch sowie sanskrit

die speisenfolge war ernährungsbiologisch und physiologisch gesehen mehr als ausgewogen und immens teuer gab es doch lucioperca sandra und salmo salar und barbus fluviatilis sowie leuciscus rutilis und silurus glanus und scorpaena scrofa und carcharias glaucus sowie auf wunsch pleuronectes platessa dazu

berliner amerikaner wiener frankfurter hamburger zürcher geschnetzeltes leipziger allerlei dresdner stollen marokkanisches falafel sowie

maulbeeren maulaffen schnepfen schlampen schnäpse seeigel seegras lemuren auguren hydras peleponnes grammelschmalz gedämpften kalbsnierenbraten reblauchon indischen tiger deutsche pantoffeln überbackene krawatten molusken und königsberger klöpse

die gesellschaft im hause bloom verlief genau wie zu erwarten war nämlich begleitet von allerlei ausschweifungen ausfällen pikanterien und sonstigen obskuren vorfällen von denen mir einige besonders interessante bis heute im kopf geblieben sind zum beispiel

der bandscheibenvorfall des berliner advokaten der sich ereignet hatte während k die ersten takte der kreuzersonate spielte

der erstickungsanfall des assyrischen tierarztes der offenbar durch einen im übermaß und viel zu hastig hinuntergeschlungenen barbus fluviatilis ausgelöst worden war

das duell zwischen dem pflichtbewußten leibgardisten und dem belgischen lyriker welches von dem fürstbischöflichen abgesandten schließlich mit unentschiedenem ergebnis abgebrochen worden war weil der belgische lyriker hinterrücks in einen brunnen gestolpert war und vom eilends herbeigerufenen dienstpersonal umständlich befreit werden musste

ein duell zu dem der belgische lyriker übrigens den pflichtbewußten leibgardisten herausgefordert hatte ging es doch um jene magersüchtige aus rothenburg ob der tauber die sich im blauen salon erst mit dem kubanischen revolutionär dann mit dem philatelisten und schließlich mit dem schwitzenden berber verlustiert hatte was weder dem jungen lyriker aus brugge noch dem pflichtbewußten leibgardisten so recht passen wollte dann

der streit zwischen dem foxterrier und der gescheiterten existenz aus wuppertal-elberfeld die endlosen diskussionen des pyknischen geozentrikers mit dem hirnspezialisten haubenstein über sinn und unsinn der nach meinung des pyknischen geozentrikers alles andere als bahnbrechenden entdeckung des haubensteinschen mysteriums

diskussionen in deren verlauf übrigens auch der afghane eingegriffen hatte der allerdings nicht um seine meinung gebeten worden war weshalb dieser von jenem und jener von diesem verprügelt worden war was

auf den weiteren verlauf des festes insofern auswirkungen hatte als dass k vollends aus dem konzept kam und der geschichtenerzählerin aus temesvar in das offen gesagt tatsächlich recht freizügige dekolleté gegriffen hatte was

wiederum den noblen herrn mit botanisiertrommel auf den plan gerufen hatte der k in fließendem kryptisch nachdrücklich aufforderte seine finger wieder den tasten des pianos zu widmen dann

die ebenso hemmungs wie bodenlosen ausschweifungen der statisten und konkubinen zu denen es vor allem im weitläufigen vom englischen architekten archibald archer gestalteten garten der villa gekommen war wobei dort unter palmen und pappeln sowohl kopulationen als auch populationen sowie ausgeprägte modulationen stattfanden

hatte das ganze ein böses ende genommen daran konnte auch die tatsache nichts ändern dass sich der schwitzende berber ob der zuviel gegessenen maulaffen mitten in der bibliothek des hauses bloom übergeben mußte die

so ganz anders gestaltet war und so ganz andere werke enthielt als die bibliothek in der wohnung des musikers k die sich einerseits auszeichnete durch

ein musikzimmer mit flügeltüren und steinwaypiano einer mahlerbüste einem metronom einem notenständer einem beethovenbild diversen notenblättern orffschem spielwerk einem verwelkten veilchen einer halbvollen flasche veuve cliquot sowie andererseits durch

die bereits erwähnte umfangreiche bibliothek im arbeitszimmer in dem sich auch der opulente und meiner meinung nach etwas überladene schreibtisch befand von dem k meinte er würde sich zur fertigstellung des begonnenen manuskripts bestens eignen zumal seine bücher ja bände sprächen und aus diesem grunde anregend und motivierend auf mich wirken sollten und

tatsächlich gab es dort unzählige folianten vergessene werke seltene erstausgaben bibliophile schätze fluss ohne ufer von caligari bis hitler die blaue villa von hongkong negative dialektik der jargon der eigentlichkeit am nullpunkt der literatur langsame heimkehr stiller tractatus logico philosophicus phänomenologie des geistes paris rom oder die modifikation handbuch der klavierliteratur zu zwei händen die grundbegriffe der metaphysik die kapuzinergruft herr puntila und sein knecht matti das kalkwerk studien zur ikonologie und auf der suche nach der verlorenen zeit

machte ich mich nun endlich an ks opulentem schreibtisch sitzend und auf die ideen des märz hoffend daran das in wien begonnene manuskript endlich zu vollenden

/Mein Hörspiel „zukunft, re-visited“ jetzt auch auf CD zum Buch „Hörspielplätze – Positionen der Hörspielkunst“

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Krieg der Welten, Sie leben!, Formicula, The Fog – Nebel des Grauens: Das Hörspiel zukunft, re-visited versetzt uns in die stereotype Welt klassischer und zeit-genössischer utopischer Romane und Filme und beschäftigt sich auf sprachlich-spielerischer Ebene mit den immer wieder kehrenden Topoi solcher Stoffe. zukunft, re-visited versteht sich als Manual für die Produktion, als Bauanleitung für einen utopischen Roman und/oder Film, dessen Basis eben jene Stereotypien sind, die uns bei Genres dieser Art immer wieder faszinieren.

Konzeption, Text, Regie: Michael Kanofsky
Produktion: Tonstudio Holly Wien/Musik: S. Joly
Sprecher: Monika Freisfeld-Pampel, Wolfgang Pampel, Detlef Eckstein, Peter Wolfsberger
Länge: 14,56 Minuten

Das Hörspiel hat den 2. Preis beim Leipziger Hörspielsommer 2007 gewonnen.  Beim Berliner Hörspielfestival 2010 wurde zukunft, re-visited mit dem „Kurzen Brennenden Mikro – 3. Platz“ ausgezeichnet. zukunft, re-visited wurde  jetzt auch in der 20-Minuten-Langfassung  auf einer Sammel-CD zu dem Buch „Hörspielplätze – Positionen zur Hörspielkunst“ (Leipzig, 2011) veröffentlicht.

/Tour d´Amour

In Bruxelles liebte ich eine schüchterne Pralinenverkäuferin.

In London eine ziemlich gebildete Nymphomanin.

In Paris eine einfache Frau aus dem Volke.

In Zürich eine verwirrte Bibliothekarin.

In Veitshöchheim eine quirlige Quasselstrippe.

In Amsterdam eine Kirchgängerin mit lila Hütchen.

In Palermo eine geschiedene Frischgemüsehändlerin.

In Kassel ein Karriereweib mit Putzfimmel.

In Padua eine Pragmatikerin mit einer fatalen Neigung zum Obszönen.

In Deauville eine verkrachte Existenz mit roten Haaren.

In Cambridge eine Physikerin mit zwei linken Händen.

In Barcelona eine Revolutionärin mit Kopftuch.

In Weimar eine sächselnde Ex-Schönheitskönigin.

In Rom eine morphinsüchtige Gräfin.

In Prag eine Frau in weiß.

In Berlin eine tobsüchtige Vegetarierin vom Prenzlauer Berg.

In Manchester eine vergessliche Modistin.

In Madrid eine Primadonna mit untadeligen Manieren.

In Oslo eine perfekt gebaute Bierlokalkellnerin.

In Potsdam ein Vollweib mit allem Drum und Dran.

In Helsinki eine übergewichtige Rentierzüchtersgattin.

In Cannes eine Platinblonde mit Atombusen.

In Bukarest eine spätberufene Bildhauerin mit klobigen Pratzen.

In Brindisi eine Mannstolle im Faltenröckchen.

In Furth im Wald eine Gutgläubige mit strenger Mama.

In Tanger eine Exotin von Format.

In Edinburg eine rothaarige Furie mit immenser Erbschaft.

In Montreux ein durch und durch gschlampertes Luder.

In Pamplona eine Tapas-Köchin mit vier Kindern.

In Neustrehlitz ein Paradeweib mit Eigentumswohnung und Irish Setter.

In Kaliningrad eine russisch-orthodoxe Kolchosbäuerin.

In Dinkelsbühl eine versoffene Imbissbudenbesitzerin.

In Györ eine tagebuchschreibende Kammerzofe.

In Warschau eine tiefgläubige Phantastin.

In Glasgow eine kuriose Lebenskünstlerin mit abstehenden Ohren.

In Eckernförde ein stummes Kaufmannstöchterchen.

In Bilbao eine wankelmütige Schwarzhaarige.

In Ravenna eine Möchtegernhollywoodschauspielerin.

In Kopenhagen eine kunstbeflissene Egoistin.

In Furtwangen eine berechnende Hobbyphilosophin.

/From Earth to Space, from Space to Earth.

Jeder kennt Juri Gagarin, Neil Armstrong oder Ulf Merbold. Aber wer waren und sind die anderen? Männer und Frauen im Weltraum. Von Wostok1 über Mercury, Sojus und Apollo bis zu MIR und ISS. Zum Weltraumspaziergang check in here.

/In memory of the people of the Titanic

Vor 100 Jahren, am 14. April 1912, sank die Titanic.

An Bord: 2.200 Passagiere der 1., 2. und 3. Klasse und die Crew-Mitglieder.

In Erinnerung an diese Menschen – egal ob Verstorbene oder Überlebende – habe ich für jede einzelne Person eine Gedenk-Namenskarte geschrieben. Name für Name steht hier für ein ganzes, individuelles Leben. Die Namen basieren auf dem Buch von Tom McCluskie, Michael Sharpe und Leo Marriott: Titanic and her Sisters Olympic & Britannic, London 1998. Für einen optimalen Bildeindruck am besten den „Vollbild“-Modus wählen.

Die Crew

Passagiere 1. Klasse

Passagiere 2. Klasse

Passagiere 3. Klasse, britische Nationalität, eingeschifft in Southhampton

Passagiere 3. Klasse, nicht-britische Nationalität, eingeschifft in Southhampton

Passagiere 3. Klasse, nicht-britische Nationalität, eingeschifft in Cherbourg

Passagiere 3. Klasse, nicht-britische Nationalität, eingeschifft in Queenstown, Irland

/schöne tage in berlin

In Oberschönweide und in Hohenschönhausen.

In Schöneberg und in Schönefeld.

Am Schönauer Platz und in der Schönfließer Straße.

In Alt-Schönow und auf der Alten Schönhauser Straße.

Im Volkspark Schöneberg und im Schlosspark Niederschönhausen.

Auf der Schönhauser Allee und auf der Schönholzer Straße.

Im Rathaus Schöneberg und im Schloss Schönhausen.

Am Schönhauser Tor und in der Schönower Straße.

In der Schönstedtstraße und auf der Schönwalder Straßenbrücke.

Im Schönebergmuseum und auf dem Alten Schönefelder Weg.

Auf dem Schönerlinder Weg und in der Schönleinstraße.

In Hohenschönhausen und am Arnold Schönberg-Platz.

Auf der Schönerfelder Chaussee und auf der Schöneberger Brücke.

In Schöneiche und in Schöneweide.

/Operation Overlord

eine worttopografie

namenlose dörfer

kleine ortschaften

verschlafene weiler

badeorte

städte

als die alliierten truppen am 6. Juni 1944 mit der landung in nordfrankreich zu einem der entscheidenden schläge gegen die nazidiktatur ausholten fanden viele der schlachten und scharmützel im rahmen der am 25. august mit der befreiung von Paris endenden operationen in und um zahllose ortschaften in der normandie und in der bretagne statt

so manche namen wie dünkirchen caen oder cherbourg kennt man aus dem geschichtsunterricht

aber was ist mit den vielen anderen orten (und den menschen die dort lebten) die namenlos geblieben sind

im rahmen meines worttopografieprojektes d-day habe ich diese namen im sinne eines künstlerischen erinnerungsprozesses als textzeichen bewahrt

schreibweise und visuelles erscheinungsbild wurden dabei behutsam verfremdet auf die französischen akzentzeichen wurde bewusst verzichtet

als quelle diente mir das hervorragende buch „D-Day“ von Antony Beevor, London 2009

besuchen sie d-day/operation overlord hier (am besten im Vollbildmodus).

/Ausnahmezustand

Seit ich unter erheblichen Zwischenhocheinfluß geraten bin, ist nichts mehr wie es war. In meinem Hirn nisten bunte Luftballone. In meinen Ohren klingt unentwegt die Neunte von Ludwig v.B. Mein Blick ist stierig geworden oder glasig, ganz wie Sie wollen. Mein Gang ist watschelnd. Unsicher, geradezu stümperhaft komme ich daher. Meine Zunge hängt mir aus dem Mund. Die Knie zittern. Mit meinen Segelohren sehe ich aus wie ein Dorfdepp. Das Hoch heißt Christina, es ist brunette und mit einer kollossalen Oberweite ausgestattet. Wirklich beeindruckend.

Über Caracas tobt der Taifun. In Vietnam Dürre. In Miami schlottern die Rentner im Eisregen. In Mozambik kommen Heuschrecken vom Himmel. Und in Leobersdorf machen die Schafe dummes Zeug. Gegen die Luftballone könne man nichts machen, sagt der Herr Doktor. Solange es keine blauschwarzen sind, sei nichts zu befürchten, sagt der Herr Doktor. Ich erwarte Tief Peter. Wenn die Kaltfront kommt, verschwinden die Luftballone aus dem Kopf und es ist wieder Platz zum Denken. Im Moment hat allerdings ein heftiger Antizyklon das Sagen. Vergeblich suche ich den Himmel nach Stratocumulus&Co. ab. Nichts. Keine Spur davon. Und in Miami laufen die Leut Schlittschuh! Wie soll man sich unter diesen widrigen Umständen den ungeklärten Fragen der Föhnforschung widmen? Wenn das Packeis schmilzt, haben wir auch im Café Prückel nichts mehr zu lachen. So viel steht fest. Und niemand will sich mehr an die Bauernregeln halten, am allerwenigsten die Bauern selbst mit ihren Steckrüben und Kohlköpfen. In Trinidad hält man Rum für das beste Rezept gegen Klima-Unbill, in Nairobi dürfen die Frauen bei miesem Wetter Seifenopern im TV anschauen, die Herren der Schöpfung rennen derweil ins Puff und kommen krank nach Hause zurück in die Strohhütte, die Inuit versorgen sich mit Robbenfleisch, so lange noch Zeit dazu ist. Katastrophales Wetter in Rheinland-Pfalz: Hagelkörner in Straußeneigröße kommen laut BILD herunter und sorgen für Chaos auf den Straßen. Verabredungen platzen, Termine scheitern, Autos suchen Geborgenheit auf dem Standstreifen. Die Feuerwehr muß ausrücken. Saufen sei jetzt ganz schlecht, sagt der Herr Dottore. Man müsse abwarten. Liebe sei vielleicht zu empfehlen. Lange Spaziergänge. Auf keinen Fall gebe man sich kunsthistorischen oder philosophischen Betrachtungen hin, und unter gar keinen Umständen der Dichtkunst. Als Föhnforscher sei ich ohnehin besonders gefährdet, sagt der Gott in weiß.

An der Wetterstation in Königsberg beziehungsweise Kaliningrad hält man sich kategorisch an keinerlei Vorhersagen. Auf der Zugspitze spielt das Barometer verrückt. Der Hygrometer in Binz auf Rügen ist ausgefallen. Die Diplommeterologin als Ahungslosigkeit in Person. Hauptsache, die Bluse sitzt. Im Beisl bestelle ich mir ein Krügerl und ein Schweinscordon mit allem Drum und Dran. Auf keinen Fall werde ich klein beigeben. Tropisches Reizklima, na und! Her mit dem Blunzengröstl! Die NASA schießt Spezialsatelliten in den Orbit, denen nichts mehr entgeht. In Bejing wischt sich der Große Vorsitzende den Schweiß von der Stirn. Die Wetterfee ist blond und knackig und im vierten Monat.

Im Beisl schwirren die Rauchschwaden wie Cirruswölkchen über der Schank. Ob ein Schnapserl hilft, das Schweinscordon ordnungsgemäß in den Stoffwechsel zu bringen? Der Wirt sagt, wenn der Polarbär seine Heimat verliert, könne auch er seinen Laden hier dicht machen. Das Klima stimme nicht mehr. Weder am Pol noch in Wien-Hernals. Überall Wetterstürze, Störungen, Erwärmungen. Und auf der Hohen Warte feiern sie das Sauwetter mit schweinischen Witzen. Die Prognose sei nicht schlecht, sagt der Herr Doktor. In einer Woche, vielleicht auch in zwei würde alles anders aussehen, sagt der Weißkittelakademiker, zu dem ich nun schon seit 15 Jahren wegen meiner vielen unerträglichen Zipperlein renne. Die Sprechstundenhilfe des Quacksalbers hat ein Gesicht wie ein Wetterfrosch. Im Wartezimmer summt die Klimaanlage. Die Patienten haben dunkle Schweißflecken unter den Achseln. An der Wand ein anatomischer Querschnitt, der für Hypochonder wie mich nicht gerade das Wahre ist. Die ausliegende Presse ist zwei Jahre alt. Diese Monaco-Prinzessin hat auch schon mal besser ausgesehen. Als Föhnforscher steht man immer kurz vor dem Irrsinn. Aber unser Herr Dottore beruhigt. Alles halb so wild. Das Mikroklima wirkt direkt auf die Hypophyse, das sei nun einmal eine erwiesene Tatsache. In Washington tanzen Kinder in einem Brunnen. Ein Hydrant speit Wasser. Ein Rentnerehepaar kollabiert in seinem Wohnwagen in Stockton, Ohio. Der Wirt sagt, wenn das so weiter geht, würde er mit der Kellnerin auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Timbuktu. Onewayticket. Trockenes Wüstenklima. Ungesund zwar, aber immer noch besser als das Klima hier in diesem Land. Mit der Kellnerin hätte er schon gesprochen, sagt der Wirt, und seiner Frau würde er noch rechtzeitig Bescheid geben. Am Abreisetag. Der Umweltminister hält eine Rede vor Klimaexperten. Ja. Nein. Man werde alles tun. Selbstverständlich. Die Werte müssen runter. Die Parameter geändert werden. Vielen Dank, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das Schweinscordon liegt schwer im Magen. Noch ein Krügerl, bitte. Die Polkappen sehen gar nicht gut aus im Fernsehen. Das Walroß denkt sich seinen Teil und taucht in tiefere Gewässer ab. Der Eskimo haut seinem Jungen eine runter, weil der schon zum fünften Mal mit der Harpune auf die Großmutter geschossen hat. In Ostbengalen bricht ein Vulkan aus, dessen Namen weder ich noch der Wirt aussprechen kann. Die Kellnerin hat einen strammen Hintern. Keine Ahnung, warum ich ausgerechnet Föhnforscher geworden bin. Ich finde immerhin, die Tätigkeit harmoniert ausgezeichnet mit meinen Segelohren und meinem Watschelgang. Der Wirt stellt einen Ribisellikör auf den Tisch und kneift der Kellnerin in den Hintern. Die Großwetterlage bleibt unverändert, dröhnt es aus dem Radioapparat, und ich mache, dass ich davon komme.

Unter der Schädeldecke stauen sich die Luftballone. Der Mund ist trocken. Die Augen brennen. Das Schweinscordon ist ebenso in Arbeit wie die Auslage des Dessousgeschäftes, an dem ich gerade vorbei komme. Werden diese Bikinis tatsächlich immer knapper? Allerdings paßt der Stringtanga am besten zur jetzt herrschenden meteorologischen Gesamtsituation, sicher besser als mein T-Shirt, das sich unangenehm schweißtreibend auf den mit Schweinscordonbleu gefüllten Bauch preßt. Ob die Wetterfee einen Freund hat? Immerhin soll sie schwanger sein. Sagt man. Die globale Erwärmung ist auch Thema in der Regierungssitzung. In den Regenwälder singen die Kakadus, und die Großgrundbesitzer brennen alles nieder. Ein Wetterexperte aus Italien gibt einen Überblick über die Situation. Tabellen. Schaubilder. Diagramme. Mir schwirrt der Kopf. Vielleicht hilft eine kalte Dusche. Im Kühlschrank gähnende Leere. Das Erdbeermarmelade: verschimmelt. Die Extrawurst: verdorben. Der Almkäse: vertrocknet. Wenigstens ist noch Bier im Haus. Sehen sich diese beiden Wetterfeen wirklich so ähnlich oder handelt es sich um eine optische Täuschung, verursacht durch Hoch Christina?

Im Kaukasus hat das Tauwetter zu Problemen auf den Ölfeldern geführt. Der Vorarbeiter scheißt einen zusammen, der gar nichts dafür kann, und die Bosse der Ölcompany sind stinksauer. Hundewetter. Scheißwetter. Dreckwetter. Und bei uns? Der Wetterdienst spricht von anhaltender Hochdrucklage. Und jeder Föhnforscher sei dazu aufgerufen, an der Lösung des Problems mitzuhelfen. Auf CNN ist das Wetter besser. Da geht es um die ganze Welt, nicht nur um einen geografischen Ausschnitt. Von Adnang-Puchheim nichts zu sehen. Dafür eine hübsche Animation von diesem Taifun in Caracas, der ganze Häuser vom Erdboden gesaugt hat und bereits 300 Menschen auf dem Gewissen haben soll. In einer Turnhalle verzweifelte Gesichter. Es gibt Maisbrei und Wasser. Die Frauen sind besorgt. Die Männer raufen sich die Haare. Wenn der Wirt geht, wo soll ich dann mein Schweinscordon essen? Ob es inzwischen wieder mobile Klimageräte gibt? Vielleicht noch einmal zum Herrn Doktor?

Draußen auf der Straße kein Mensch zu sehen. Staubiger Asphalt. Flirrende Luft. Gleich kommt Gary Cooper um die Ecke. Ich schmeiße eine Aspirin in ein Glas Wasser und warte ab. Ein armer Teufel hat sich in der Bronx mit einem Feuerwehrmann angelegt, der einen offenen Hydranten wieder zudrehen wollte. Wahnsinn. Die sind nicht gerade zimperlich in den Staaten. Zack. Peng. Im Kulturkanal ein Film über ungewöhnliches Wetterleuchten. Und die Wohnung schaut aus wie nach einem Erdrutsch. Eine große Moräne aus Wäschestücken hat sich über dem Sofa ausgebreitet. Auf dem Fußboden Staubmäuse in der Größe geklonter Mutanten. Im Badezimmer sorgen 16 (in Worten: sechszehn) Paar ebenso unsortierter wie ungewaschener Socken für ein Raumklima ganz eigener Art. Der Mülleimer hat frappierende Ähnlichkeit mit jener Müllkippe, die gestern in den Nachrichten präsentiert wurde, nur die Möwen fehlen. Es ist acht Uhr am Abend und noch immer so heiß wie am Mittag. Wenn der Föhn zusammenbricht, werde ich ein Faß aufmachen. Hoffentlich gibt´s das Beisl und den Wirten dann noch und die Kellnerin und die Frau des Wirten. Morgen wird jedenfalls ein Kältespender gekauft. Irgendwo muß ja noch einer aufzutreiben sein.